Quelle : Classic News, Alexandre Pham, 20.06.2009
Critique Tristan et Isolde
(…) Unter der Leitung von Daniel Kawka erzeugt das Orchester einen in jeder Hinsicht überzeugenden Zusammen-Klang. Mit der erreichten Klarheit und Geschmeidigkeit der Saiteninstrumente, der sinnlich anmutenden Herausarbeitung der Blasinstrumente (Oboe, Fagott, Klarinette) und der manchmal sarkastischen Üppigkeit der Blechinstrumente demonstriert der Dirigent, der sonst noch die Stelle als Direktor des Ensemble orchestral contemporain innehat, zweifellos profunde Werkkenntnis. Daniel Kawka liebt seine Partitur und vermag mit seiner großzügigen, gefühlvollen, äußerst lyrischen Leitung dem Ganzen eine Art Fieber, eine überschäumende Musikalität zu verleihen. So gelingt es ihm, dem Orchester einen Klangteppich von einmaliger Schönheit abzuzwingen. Dies wird vor allem deutlich, wenn die beiden Liebenden ersehnen, dass das "Wunderreich der Nacht" sie für ewig aufnehme, bevor sie von Marke und seinem Hofstaat, vom verräterischen Melot herbeigeholt, überrascht werden. Die Musik unterstreicht das visuelle Wunder, das auf der Bühne stattfindet: Mehrere verschiedene Ansichten eines Zimmers wechseln sich ab und erinnern somit an die Etappen der Trance und emotionnellen Umwandlung, die das wunderbare Paar durchlebt. Zwar sprengt das wegen der Umstände groß besetzte Orchester dann und wann den Rahmen des Orchestergrabens; doch was passiert, kann als Wunder zusammengefasst werden, in dem der durchaus inspirierte Dirigent Sänger und Orchester sanft zu einer absolut vollendeten, poetischen Einheit zusammenwebt.
Einen solchen sinnlichen und in glanzvoller Vehemenz erscheinenden Tristan, der zwischen Liebesekstase, Sehnsucht nach dem erlösenden Tod, Zärtlichkeit und Bitterkeit schwankt, haben wir schon lange nicht mehr zu hören bekommen. Tristan, ein schmalziges Drama? In Daniel Kawkas Augen nicht; eher ein mit Energieströmen beladenes Stück und Salven von ekstatischen Hymnen. Sowohl Tristan als auch Isolde sind wild entschlossen, sehnen sich nach dem Tod, den sie als einzige Alternative empfinden, über sich selber hinauszuwachsen und somit die Erlösung zu finden.
So wird 2009 der Vorhang zu der mythischen Produktion von Olivier Py zum einen, zur lyrischen Saison an der Oper in Dijon zum anderen geschlossen. Die Aufführung in Dijon war für den Dirigenten Daniel Kawka die Gelegenheit, seine wunderbare, fast schon an Ekstase grenzende Selbstsicherheit unter Beweis zu stellen. Zur Zeit befasst er sich mit der Götterdämmerung und den Opern von Richard Strauss. Tristan, Brangäne und Marke waren drei äußerst bemerkenswerte Figuren, getragen von den brillanten Orchestern Camarata de Bourgogne und dem Orchester von Dijon. Schade nur, dass die Leistung der Sopranistin Elaine McKrill uns nicht ganz überzeugen konnte.
Damit ist trotzdem bewiesen , dass die besten Produktionen auch in den Provinzstädten aufgeführt werden. Es werden noch einige Jahre vergehen, bis man sie auch in Paris zu sehen bekommen wird. Die neue Saison 2009-2010 der Oper in Dijon verspricht weitere Überraschungen, über die Classicnews bald berichten wird.
Quelle : Resmusica, Joelle Farenc, 20.06.2009
Critique Tristan et Isolde
Daniel Kawka ist es gelungen, mit dem Dijoner Orchester eine bewundernswerte, hoch ambitionierte Arbeit zu vollbringen. Er beherrscht die komplexe Partitur vollkommen: Die Leitmotive werden zum richtigen Zeitpunkt eingebettet, die akustischen Hintergründe sind geschickt differenziert, die Vorspiele zum ersten und dritten Aufzug versetzen uns in die gewünschte Stimmung. Vor allem das Vorspiel zum dritten Aufzug, in dem das Leitmotiv der Einsamkeit auf wunderbare Weise zu hören ist, ist hervorragend. Fast schon beängstigend mutet sich das Englischhornsolo an. Capoeiratänzer heitern diese etwas bedrückende Stimmung auf.
Die Besetzung ist homogen und überzeugt durch stimmliche Präsenz. Die starken Basstöne von Jyrki Korthonen verleihen dem König Marke eine wahre Präsenz. Elaine McKill als Isolde singt subtil, das Schlusslied “Mild und leise” wird durch ihre Musikalität bestärkt. Manchmal wird sie jedoch vom stimmgewaltigen Leonid Zakhozhaev ein wenig erdrückt, etwa wenn sie sich beide ihrer grenzenlosen Liebe versichern. Beim Wechselgesang O sink hernieder, Nacht der Liebe ist sie ihm stimmlich etwas unterlegen. Ein besonderes Lob verdient Martina Dike, die eine wunderbare wagnerische Stimme besitzt: Sie singt zugleich stimmstark und mit einem warmen Timbre, ihre “Habet acht”-Rufe sind trotz Eindringlichkeit sehr poetisch.
Quelle :Anaclase, Isabelle Stibbe, 14.06.2009
Critique Tristan et Isolde
Ein besonderes Lob gilt Daniel Kawka, der gleich mit dem Vorspiel zur faszinierenden Stimmung beiträgt. Der Dirigent weiß sich Zeit zu nehmen und fürchtet sich nicht vor der Stille. Recht hat er: Denn die Pausen sind herrlich, sie tauchen den Zuschauer in eine metaphysische Stimmung ein, tragen zur an die Grenzen des Hysterischen und Ekstatischen gehenden Handlung bei. Das Dirigat Daniel Kawkas unterstützt also die Aufführung mit einer - man ist fast geneigt zu sagen – magnetischen Ausdruckskraft. Die Klangpalette des Orchesters – zusammengesetzt aus der Camerata de Bourgogne und dem Orchester der Dijoner Oper – ist subtil und erleuchtend, das Englischhorn klingt zugleich hell, ergreifend und verzweifelt.
Quelle :Concertclassic.tv, Michel Le Naour, 17.06.2009
Als Nachfolger des Amerikaners J.A. versteht der französische Dirigent Daniel Kawka es, mit seinem lockeren Dirigat und der Hervorhebung der Leitmotive immer wieder das Interesse zu beleben. Daniel Kawka dirigiert derart präzis-sensibel, dass das glänzende Orchester wahre Wunder von Konzentration und Intensität vollbringt ; genauso bemerkenswert gestaltet sich das Spiel Jean-François Louis’, der mit seinem Englischhorn die Luft zu durchbrechen scheint. Die gesamte Aufführung ist poetisch, engagiert, eine wunderbare Einheit. Deshalb erweist sie sich als einmaliges Ereignis ganz im Sinne von Wagner, der eine Osmose zwischen Theater und Musik wünschte.
Quelle :Alta Musica, Yannick Million, 17.06.2009
Critique Tristan et Isolde
Nach Genf und Angers-Nantes nun Dijon. Im Auditorium der burgundischen Hauptstadt wurde die bereits zum Mythos aufgewachsene Tristan - Produktion von Olivier Py an zwei Abenden aufgeführt. Das Ganze ist den Möglichkeiten des Hauses völlig angepasst, das Orchester wächst über sich selber hinaus, die Besetzung ist besser als in Bayreuth im letzten Jahr. Kurz: Die Stringenz des Gesamtentwurfs führt zu einem herausragenden, vorbildlichen Ergebnis.
Zu den größten Überraschungen gehört die Leistung des Orchesters der Dijoner Oper. Es hat eindeutig an Vitalität gewonnen, erzeugt eine Tonabstufung von großer Schönheit, die kaum Wünsche offen lässt: Im Laufe des Abends erzeugt es einen Zusammen-Klang, der sich mit großen Orchestern selbstbewusst messen kann.
Gewiss trägt die Leitung Daniel Kawkas wesentlich dazu bei. Der Dirigent leitet das wohlklingende Orchester kontrolliert und exakt bemessen, um, wenn es begründet ist, die Phrasen zu Peitschenhieben werden zu lassen. Das Ganze ist bemerkenswert, ein klar und zurückgehaltenes Musizieren, das den Solisten - ohne Risiko, übertönt zu werden - Raum zum Nuancieren und weichen Phrasieren bietet; die Überleitungen – vor allem jene unmittelbar vor dem Liebestod - rauben einem den Atem. Der Monolog des König Marke zählt zu den besten, die je zu hören waren: Es gelingt ihm, der Rolle durch Innerlichkeit, Lebendigkeit und trotzdem betonte Zurücknahme jenes Maß an Erschütterung zu geben, das den verletzten, trauernden König auszeichnet.
Die Sänger überzeugen durch stimmliche Präsenz und Textverständlichkeit. Insgesamt wurde hier eine Inszenierung und Leistung auf die Bühne gebracht, die sich betont von dem abhebt, was im letzten Sommer bei den Bayreuther Festspielen zu erleben war.